Skyfarming im globalen Lebensmittelsystem

Schlüssiges Konzept braucht Finanzierung

Letzten Dienstag sind auf Einladung der DAFA (Deutsche Agrarforschungsallianz) in Berlin Experten zusammengekommen, um den Forschungsbedarf für Lebensmittel der Zukunft zu diskutieren. Einen besonders leidenschaftlichen Vortrag hielt Folkard Asch von der Universität Hohenheim zu Skyfarming.

Die Fläche, die jedem von uns zur Ernährungssicherung zur Verfügung steht, wird stetig kleiner. 2050 müssen wir pro Kopf mit 2.000 Quadratmetern auskommen, um unseren Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten zu decken. Dazu zählen auch Tierfutter und Kleidung.

Weltweit erleben wir eine zunehmende Verstädterung. Schon heute leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Es bedarf eines erheblichen logistischen Aufwandes, die Städte mit Lebensmitteln zu versorgen. Zudem werden wegen des Klimawandels die Ernteerträge in den nächsten Jahrzehnten signifikant zurückgehen. Diese Situation können wir verbessern, wenn wir die Städte stärker in die Produktion von Lebensmitteln einbeziehen und uns am besten noch unabhängig von den äußeren Einflüssen machen. Dabei geht es nicht um Gemüse, das nur auf 5 % der globalen Ackerflächen angebaut wird, sondern um Grundnahrungsmittel, die die Menschen satt machen.

Städte stärker an der Produktion von Lebensmitteln beteiligen

Auf 50 % des Ackerlandes wächst Getreide, am häufigsten Mais, Reis, Weizen und Kartoffeln. Mit Reis decken die Menschen 20 % des Kalorienbedarfs ab, somit gilt er als das wichtigste Grundnahrungsmittel weltweit. Sein Anbau beansprucht schon jetzt ein Viertel des globalen Getreideackers. Experten prognostizieren einen signifikanten Anstieg der Nachfrage. Problematisch an Reis sind der hohe Wasserverbrauch und der hohe Methanausstoß.

In welchen Dimensionen sich die Problematik bewegt, zeigt ein Blick auf den Reiskonsum in Tokio. In der japanischen Hauptstadt leben knapp 38 Millionen Einwohner, die durchschnittlich 150 Gramm Reis pro Kopf und Tag verspeisen. Die Stadt benötigt also 2 Millionen Tonnen Reis pro Jahr, das entspricht 3,4 Millionen Tonnen Rohreis. Für den Anbau dieser Menge sind 566.000 Hektar nötig bzw. die 2,6-fache Fläche von Tokio. Ohne Frage sind Anbau und Transport dieser Mengen katastrophal für die Umwelt, abgesehen davon, dass wir auf diese Weise nicht mit dem uns zur Verfügung stehenden Ackerland hinkommen.

Erhebliche Erntesteigerungen mit Skyfarming

Als Lösung schlägt Folkard Asch Skyfarmen vor, um den Reis umweltfreundlich in der Stadt zu produzieren. Skyfarmen sind Hochhaus-Anlagen, in denen keine Menschen wohnen, sondern ausschließlich Pflanzen angebaut werden. Im Vergleich zum konventionellen Anbau kann der Ertrag vervielfältigt werden, denn ein Hektar Skyfarm entspricht 10 bis 40 Hektaren im Freiland. Hier herrschen optimale Wachstumsbedingungen, die Produktion findet ganzjährig statt und ist unabhängig vom Wetter. Die Bauern müssen keine Ernteverluste mehr aufgrund von Dürren, Überschwemmungen, Schädlingen usw. befürchten. Die negativen Einflüsse der Reisproduktion auf die Umwelt können vermindert werden, z. B. auch der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln.

Das Konzept scheint schlüssig und bietet Lösungen für dringende Probleme. Können jetzt Ökonomen weiterhelfen, um Ideen zur Finanzierung zu entwickeln?

Dr. Sabine Bonneck