Lebensmittelbetrug in der internationalen Perspektive

Vortrag beim ASSET2018 in Belfast

Andy Morling @ Asset2018 | Dr. Sabine Bonneck
Andy Morling @ Asset2018 | Dr. Sabine Bonneck

Lebensmittelbetrug. Worum geht es?

Lebensmittelbetrug gibt es schon seit Menschengedenken. Im Jahr 2013 erschütterte der Pferdefleischskandal den europäischen Kontinent und das Thema gelangte weit nach oben auf die politische Agenda. Seitdem ist eine Menge passiert. Die Kommission hat ein Netzwerk eingerichtet, um die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten zu verbessern. Besondere Kontrollpläne für Pferdefleisch, Honig und Fisch wurden umgesetzt, Trainings für Lebensmittelkontrolleure durchgeführt. An der Operation OPSON wirken inzwischen mehr als 60 Staaten mit, um die internationale Zusammenarbeit zu verbessern. Außerdem wurden neue analytische Methoden entwickelt, um Lebensmittelbetrug aufzudecken.

Aber dennoch: Wo auch immer man sucht, man wird Lebensmittelbetrug finden. Und bisher ist es nicht gelungen, das Vertrauen der Verbraucher in den Lebensmittelsektor wiederherzustellen. Laut einer Umfrage glauben bis zu 85 % der Deutschen nicht, dass ein Produkt die Zutaten enthält, die auf dem Etikett ausgelobt sind. Offensichtlich muss die Situation weiter verbessert werden.

Stärkung der Lebensmittelüberwachung

Was können wir tun? Ein Betrüger würde wahrscheinlich eher darüber nachdenken, ob er einen Betrug begeht, wenn eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass er auffliegt. Bisher ist Lebensmittelbetrug sehr attraktiv, denn die Profite sind riesig, während man kaum Gefahr läuft, entdeckt zu werden. Deswegen müssen wir die Lebensmittelüberwachung stärken, Anzahl und Häufigkeit der Kontrollen erhöhen. Auch braucht die Lebensmittelüberwachung besseren Zugang zu modernen Methoden. Bisher wissen die Kontrolleure teilweise nicht einmal, was in der Überwachung möglich ist. Sie müssen froh sein, wenn sie Smartphones und moderne Laptops haben, um QR-Codes einscannen zu können. Fisch beispielsweise überprüfen sie weiterhin mit dem bloßen Auge und anhand der Lieferpapiere. Dass mithilfe moderner DNA-Analysen sogar die geographische Herkunft von Fisch oder die Echtheit von Marmelade bestimmt werden kann, ist fernab von ihrer Routine.

Dr. Sabine Bonneck @ Asset2018 | © Dr. Sabine Bonneck
Dr. Sabine Bonneck @ Asset2018 | © Dr. Sabine Bonneck

Außerdem überprüfen die Kontrolleure Lebensmittel anhand der Lieferpapiere. Dabei können sie nur in einem gewissen Umfang die Plausibilität kontrollieren, denn, während sie lokal agieren, fließen die Warenströme längst schon global. Ein Lebensmittelkontrolleur kann kaum beurteilen, was in einem anderen Land passiert, aus dem ein Lebensmittel ursprünglich stammt. Daher müssen wir die Zuständigkeiten klar aufteilen. Der Importeur muss dafür verantwortlich sein, dass seine importierten Produkte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Die Lebensmittelüberwachung agiert auf einer lokalen bzw. nationalen Ebene.

Eine Service-Agentur kann die Lieferkette sicherer machen

Viele Lebensmittelhersteller betreiben schon viel Aufwand, um ihre Lieferketten möglichst gut gegen Lebensmittelbetrug abzusichern. Aber immer noch gibt es zu viele Hersteller, die sich nicht um das Thema kümmern bzw. denen die Bedeutung des Themas nicht klar ist. Allerdings ist der Lebensmittelsektor stark fragmentiert. Es gibt einige riesige Player, wie z. B. Danone oder Mars. Aber die große Mehrheit der Lebensmittelhersteller ist so klein, dass sie sich nicht leisten kann, Personal oder sogar Abteilungen zur Bekämpfung von Lebensmittelbetrug vorzuhalten. Hier könnte eine Service-Agentur helfen. Die Hersteller bezahlen eine Gebühr und bekommen dafür Leistungen, die von der Bereitstellung von Informationen bis hin zu konkreten Maßnahmen zur Absicherung der Lieferkette reichen. Wenn es eine solche Agentur geben würde, gäbe es für Hersteller keine Entschuldigung mehr, wenn sie nicht gegen Lebensmittelbetrug gewappnet sind.

Das Panel

Ich war auf dem Podium zusammen mit Bob Baker von Mars, Monique Pellegrino von Danone, Peter Whelan von der FSAI und John Spink von der Michigan State University. Andy Morling von der FSA hat die Diskussion vor etwa 350 Zuschauern moderiert.

 

Dr. Sabine Bonneck

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