Verbrannte Mandeln

Buchrezension

Überall auf der Welt spürt die Landwirtschaft den Klimawandel schon deutlich und muss sich anpassen. Damit einher gehen Veränderungen, die sich spürbar auf unser Nahrungsmittelangebot auswirken werden. Der Agrarwissenschaftler Bommert und die Journalistin Landzettel haben alle Kontinente bereist. Am Beispiel von zehn Produkten beschreiben sie die Probleme der Bauern, die aus Wetterkapriolen und der sich verschärfenden Wasserknappheit entstehen.

Verbrannte Mandeln | © dtv
Verbrannte Mandeln | © dtv

Die steigenden Durchschnittstemperaturen führen dazu, dass die Sommer heißer werden, es in den Nächten immer weniger abkühlt, während gleichzeitig die Winter milder und kürzer werden. Das heißt, dass die Pflanzen mit höheren Temperaturen zurechtkommen müssen und sich weder nachts noch im Winter ausreichend erholen können. Das sind schlechte Bedingungen für Kaffeepflanzen, die in Brasilien schon spürbar an Kraft verlieren. Aufgrund der klimatischen Veränderungen können sich außerdem Schädlinge in Regionen ausbreiten, in denen sie noch vor wenigen Jahren nicht hätten überleben können. Das gilt beispielsweise für die Kirschessigfliege, die den Weinbau in Südeuropa und inzwischen auch in Deutschland bedroht. In Italien hat sich die Olivenfliege breitgemacht.

Wasser ist für die Landwirtschaft eine unverzichtbare Ressource, ist aber auf der Welt sehr ungleich verteilt. Seit jeher behalfen sich die Menschen in den wasserärmeren Regionen, indem sie Grundwasservorkommen oder Flüsse anzapften. Das wurde spätestens dann zum Problem, seit in genau diesen Regionen hochintensive Landwirtschaft betrieben wird. Beispielsweise fallen in Andalusien 200 mm Regen pro Jahr und Quadratmeter, aber für den Tomatenanbau benötigen die Bauern 1320 mm Wasser. Schon seit Jahrzehnten werden die Wasservorkommen in Spanien überstrapaziert, weswegen Spanien längst ein handfestes Wasserproblem hat, das hunderttausende Menschen zu Demonstrationen auf die Straße treibt. Bauern bohren immer tiefere Brunnen, um an Grundwasser heranzukommen. In Kalifornien mit seinem wasserintensiven Mandelanbau ist deswegen der Grundwasserspiegel schon merklich gesunken. Im Central Valley beispielsweise, nördlich von Fresno, in den letzten 20 Jahren um 22 Meter.

Die Autoren vermitteln Hintergrundwissen über die Bedingungen des Anbaus von Produkten, die bei uns beliebt und vom täglichen Speiseplan kaum wegzudenken sind. Gleichzeitig zeichnen sie ein erschreckendes Bild. Der Klimawandel und mit ihm einhergehend die Existenzbedrohung für die Bauern sind nicht das Problem von armen Entwicklungsländern, sondern schon viel näher an uns herangekommen als den meisten bewusst sein dürfte. Dabei geht nicht um eine Handvoll exotischer Luxusprodukte, die für uns in Zukunft nicht mehr so leicht verfügbar sein werden. Es geht um ökonomische Verwerfungen, weil Millionen von Arbeitsplätzen und ganze Volkswirtschaften von der Lebensmittelproduktion abhängen.

Bommert und Landzettel machen zugleich Hoffnung, denn sie zeigen Bauern, die sich an die neuen Bedingungen anzupassen vermögen. In allen Regionen gibt es einzelne Bauern, die ihre Höfe nachhaltig bewirtschaften, ihre Pflanzen klimaverträglich anbauen und trotzdem profitabel wirtschaften.

Schön auch, dass die Autoren nicht dem Trugschluss erliegen, dass es helfen könnte, wenn Verbraucher hierzulande auf bestimmte Produkte verzichten. Wir leben nun mal in einer globalen, bis auf das Engste verzahnten Welt. Keine Oliven mehr essen? Hilft das gegen ausbleibenden Regen oder gegen die Olivenfliege? Vielmehr würden wir den Niedergang des italienischen Südens beschleunigen. Kaffee und Orangen weglassen? Das sind schon längst so wichtige Wirtschaftsfaktoren für Brasilien, dass ein Boykott das Land hart treffen würde. Ein Umdenken in der Produktion ist nötig. Weg von Monokulturen und schonungsloser Ausbeutung der Umwelt hin zu nachhaltigen Anbauweisen. Um derartige Ideen salonfähig zu machen, plädieren die Autoren dafür, dass Politik und Gesellschaft die Landwirtschaft stärker unterstützen müssen.

Wilfried Bommert/Marianne Landzettel: Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht. dtv Verlagsgesellschaft, München. 2017

Eine Kurzform der Rezension ist in der Mitgliederzeitschrift der IG FÜR erschienen (Nr. 1, 2018, S. 12).

Dr. Sabine Bonneck