Die Insekten-Burger kommen | © Bastiaanimage stock @ Shutterstock

Die Insekten-Burger kommen

2018 tritt die neue EU-Verordnung zu Novel Foods in Kraft

Massentierhaltung ist nicht nachhaltig

Einigkeit besteht unter Experten, dass unser Fleischkonsum nicht nachhaltig ist und wir ihn auf Dauer reduzieren müssen: Laut Schätzungen verursacht die Massentierhaltung 12 % der Treibhausgase, für die Tierzucht wird zweimal mehr Land verwendet als für den Anbau von Getreide. Und ein Drittel des Getreides wird wiederum zu Tierfutter verarbeitet. Wenn die ganze Menschheit so viel Fleisch essen würde, wie es durchschnittliche Amerikaner heutzutage tun, würde die Fleischproduktion eine Fläche benötigen, die größer wäre als die Erde. Die Folgen für das Klima wären katastrophal.

Aber nicht jeder möchte Vegetarier sein, und so stellt sich die Frage, wie die Versorgung mit tierischem Eiweiß in Zukunft aussehen soll. Schon heute essen weltweit etwa 2 Milliarden Menschen in 119 Ländern Insekten, insgesamt mehr als 2.000 Arten, darunter Heuschrecken und Mehlwürmer. Es ist nicht strittig, dass die Zucht von Insekten wesentlich ressourcenschonender ist als die Haltung von Schweinen und Rindern. Bisher scheint es zwar kaum vorstellbar, dass Insekten in der westlichen Welt als Normalität auf den Speiseplänen zu finden sein werden. Das könnte sich aber schon bald ändern.

Insekten als Lebens- und Futtermittel

In Europa arbeitet eine Reihe von Unternehmen bereits an der Entwicklung von Produkten mit Bestandteilen aus Insekten, entweder für den menschlichen Verzehr oder als Futtermittel. 13 von ihnen haben sich zur International Platform of Insects for Food and Feed (IPIFF) zusammengeschlossen, darunter Jimini’s. Die Franzosen haben vor fünf Jahren begonnen, Rezepturen für Insekten zu entwickeln. Inzwischen bieten sie Würmer, Heuschrecken und Grashüpfer als Snack an sowie verarbeitete Insekten als Energieriegel oder Protein-Nudeln.

Am 1. Januar 2018 tritt die neue EU-Verordnung zu Novel Food in Kraft (Der Begriff wird in diesem Video erklärt). Von da an ist es EU-weit erlaubt, Produkte mit Bestandteilen aus Insekten anzubieten – sofern diese die für die Zulassung notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Schon einen Schritt voraus ist die Schweiz: Ab August 2017 vertreibt Coop die ersten Burger, die zu einem Drittel aus verarbeitetem Mehlwurm-Mehl bestehen. Die übrigen Zutaten sind Möhren, Reis, Lauch, Oregano und Chili.

Osnabrücker Bratlinge aus Buffalo-Würmern

In den Startlöchern stehen auch zwei Jungunternehmer aus Osnabrück. Sie verkaufen bereits in Belgien und in den Niederlanden Burgerbratlinge aus Buffalo-Würmern. Für jede Frikadelle werden 1.000 Larven zerkleinert und mit vegetarischen Zutaten vermischt. Der Geschmack der Bratlinge ist nussig, das Eiweiß der Insekten hochwertig: Der Körper kann es schnell aufnehmen, und es enthält ungesättigte Fettsäuren.

Die Geschäftsidee entstand auf einer Reise nach Thailand. Im Anschluss beschäftigten sich die beiden Osnabrücker zunächst mit den ökologischen Aspekten der Insektenzucht und fanden heraus, dass Insekten viel weniger Futter, Wasser und Platz als Rinder brauchen, und dass die Insektenzucht 100-mal weniger Treibhausgase entstehen lässt als die Rinderzucht.

In der Tierzucht benötigte Futtermengen für Erhöhung des Körpergewichtes um 1 kg | © Dr. Sabine Bonneck
In der Tierzucht benötigte Futtermengen für Erhöhung des Körpergewichtes um 1 kg | © Dr. Sabine Bonneck

Insektenzucht ist ressurcenschonend

In nebenstehender Grafik sind die in der Tierzucht eingesetzten Futtermengen dargestellt: Ein Rind benötigt 8 bis 10 kg Futter, um 1 kg Körpergewicht zuzunehmen. Ein Schwein frisst 5 kg, Hühner picken immerhin noch 2,5 kg Futter. Insekten kommen mit 2 kg Futter aus.

Insekten sind besser als andere Tiere für die Massentierhaltung geeignet, weil sie auch in der Natur eng zusammenleben. Getötet werden Würmer, indem die Umgebungstemperatur reduziert wird, so dass sie in eine Kältestarre fallen und im Schlaf sterben.

Fazit

Im Vergleich zur Massentierhaltung, wie wir sie in der westlichen Welt kennen, scheint die Insektenzucht nur Vorteile zu bieten, sowohl in ökologischer Hinsicht, was das Tierwohl angeht als auch im Rahmen einer gesunden Ernährung. Wahrscheinlich sind wir gut beraten, schnellstmöglich über unseren „kulturellen Schatten“ zu springen und unsere Ernährungsgewohnheiten anzupassen.

Dr. Sabine Bonneck