Acrylamid: Ist „Go for Gold“ noch zu retten? | © Zerbor @ Shutterstock

Acrylamid: Ist „Go for Gold“ noch zu retten?

FSA-Kampagne mit Schwachstellen

Hintergrund

Die britische FSA hält die Exposition der Bevölkerung gegenüber Acrylamid für zu hoch und hat daher die Kampagne „Go for Gold“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Acrylamidgehalte in Lebensmitteln zu reduzieren. Schwachstellen sind allerdings von Anfang an unübersehbar:

  • Die Kampagne richtet sich an Verbraucher und Pommes-Zubereiter. Dabei hat die FSA selbst herausgefunden, dass industriell hergestellte Produkte die Exposition der Verbraucher wesentlich bestimmen. Aber es bleibt ja noch zu hoffen, dass ein dritter Teil folgt, der an die Hersteller adressiert sein wird.
  • Die Berichterstattung in den englischen Medien lässt darauf schließen, dass die FSA die Kampagne einigermaßen halbherzig präsentierte, da die Verantwortlichen das Risiko durch Acrylamid noch während der Präsentation herunterspielten.
Berichterstattung in der "Sun" über Go for Gold | © The Sun UK
Berichterstattung in der „Sun“ über Go for Gold | © The Sun UK

FSA wenig überzeugend

Prompt rief dies Kritiker auf den Plan. Etwa einen Statistiker, der sich berufen fühlte zu erläutern, dass der Abstand zwischen der Dosis, die im Tierversuch zu Krebs führt und der menschlichen Exposition so groß sei, dass man ganz beruhigt sein könnte. Eine Bloggerin empfahl – ohne jeden ironischen Unterton – schwarz verbrannte Toasts als unbedenklich. In anderen Kommentaren wurde eher trotzig reagiert, nach dem Motto, dass man sich den dunklen Toast nicht verbieten lassen würde. Bis hierhin hätte die PR-Abteilung der FSA sicherlich noch eingreifen können, denn es handelte sich nur um alten Wein in neuen Schläuchen bzw. um Argumente, die eigentlich leicht zu widerlegen sein sollten. Aber dann passierte etwas, das sich die heftigsten Kritiker selbst nicht hätten träumen lassen: Auf Instagram wurde der Leiter der FSA ertappt, wo er stolz die verkohlten Ergebnisse seiner Kochkünste präsentiert und nicht den Eindruck erweckt, dass er diese nicht mehr verspeisen wollte.

Jetzt kann wohl nur noch ein kleines Wunder die Kampagne zum Erfolg führen. Informationen hierzu sind allerdings schon kurz nach ihrem Beginn nicht mehr auf der Startpage der FSA vorhanden.

Dr. Sabine Bonneck